8. Old West
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Vom 8. bis 11. Mai sind im Unterkulmer Cowboy-Dorf «Silver Creek» Fans des Wilden Westens willkommen. Das Old-West-Festival findet bereits zum achten Mal statt. Schon wieder entsteht in Unterkulm eine Überbauung. Diese könnte rund 3000 Menschen in die knapp 3500-Seelen-Gemeinde locken – jedoch nur temporär. Auf dem Wannenhof, Unterkulm wird zurzeit das Städtchen «Silver Creek» aufgebaut, welches man in ähnlicher Form wohl im amerikanischen Wilden Westen des 19. Jahrhunderts hätte antreffen können – inklusive Cowboys und Indigener Völker.
Wir haben tolle Bands. Im Saloon, am alten Klavier, haben wir unseren Piano-Spieler. Magic Charly spielt mit seinen «Musicfriends» alte Lieder und verzaubert mit seinen Tricks die Leute auf der Mainstreet. Zusätzlich gibt es Kanonenfeuer, sogenannte «Reenactors», also Leute, die geschichtliche Ereignisse authentisch inszenieren, sowie Verkaufsstände. Eine weitere Attraktion sei dieses Jahr ein «Lokomobil».
Neben traumhaftem Wetter, wünscht sich das Organisationsteam ein freundliches Miteinander. Mit dem Durchschreiten unseres Eingangstors lässt man den Alltagsstress von sich abfallen und befindet sich an einem Ort, wo die Menschen einfach gut gelaunt sind. Ebenfalls freue sie sich auf möglichst viele «Reenactors», die mit ihren Kleidern und Kostümen die «Mainstreet» besuchen. Nach dem Abschluss am Samstagabend verschwindet «Silver Creek» wieder für zwei Jahre aus Unterkulm.

AARGAUER ZEITUNG
Zeitreise
Vergangenheit trifft auf Gegenwart: «Old Western Unterkulm» feiert dieses Jahr an vier Tagen den Wilden Westen
- Von Jörn Kerckhoff
10.02.2024, 05.00 Uhr
«Howdy Fremder, in dieser Stadt ist kein Platz für dich.» Von wegen: Beim «Old West Unterkulm» in «Silver Creek» ist jeder Fremde gern gesehen. Vom 8. bis zum 11. Mai findet die achte Auflage des Westernfests statt.
Die Westernstadt «Old West Unterkulm» lädt vom 8. bis zum 11. Mai erstmals auf den Wannenhof.
Bild: zvg
Eine Stadt zieht um: Unter diesem Motto könnte das Wildwest-Fest «Old West Unterkulm» in diesem Jahr stehen. Denn auf dem Gelände beim Schwimmbad, auf dem die ersten sieben Auflagen stattfanden, kann der gleichnamige Verein nicht mehr feiern. Aber Ersatz wurde gefunden.
«Die Idee zum ‹Old West› hatte vor etwa 17 Jahren ein Paar, das in Unterkulm einen Bauernhof hatte und mehrere Rösser besass», erklärt Herbert Leuenberg, Präsident des «Old West Unterkulm». Am 4. Dezember 2007 wurde der Verein gegründet. Das Paar habe einfach etwas Neues im Dorf machen wollen. Und bei Pferdebesitzern besteht ja nicht selten eine ganz natürliche Affinität zum Wilden Westen.
«Ich selbst war damals noch nicht dabei», erzählt Leuenberg. «Dafür Leute, die mit dem Thema Wildwest eigentlich gar nichts anfangen konnten. Sie wollten aber die Idee unterstützen, einen neuen Anlass in Unterkulm auf die Beine zu stellen, und traten deswegen dem Verein bei.»
Die Ideengeber sind inzwischen nach Kanada ausgewandert, das Fest ist geblieben. Alle zwei Jahre entsteht die Westernstadt. Leuenberg stiess vor dem dritten «Old West» zum Verein, seit der vierten Auflage ist er im Vorstand dabei, seit der fünften als Präsident. Oder auch als Bat Masterson.
Herbert «Bat Masterson» Leuenberg und seine Frau Ursula.
Bild: zVg
Bat Masterson ist keine Fantasiegestalt, sondern war eine Berühmtheit des Wilden Westens. Er wurde im Jahr 1853 In Quebec, Kanada, geboren und hatte ein bewegtes Leben. Masterson war unter anderem als Büffeljäger, Kundschafter für die US-Army, Glücksspieler, Deputy, US-Marshall, Journalist und Schriftsteller tätig. Bartholemew William Barclay Masterson, so sein vollständiger Name, galt auch als Revolverheld, obwohl er nur einen einzigen Gegner in einem direkten Gefecht tötete. Masterson starb am 25. Oktober 1921 an einem Herzinfarkt an seinem Schreibtisch. Herbert Leuenberg lässt ihn wieder auferstehen, indem er beim «Old West» in die Rolle des Bat Masterson schlüpft.
So weit zur Geschichte, zurück in die Gegenwart. Dabei lässt sich beides gar nicht immer trennen. Denn es gibt eine richtige Wildwest-Gemeinde in der Schweiz. Sie gehört zur sogenannten Reenactor-Szene. Reenactment – zu Deutsch bedeutet dies Wiederaufführung oder Nachstellung – beschäftigt sich damit, historische Ereignisse möglichst authentisch nachzustellen. In der Reenactor-Szene gibt es verschiedene Ausprägungen, etwa die Antike oder das Mittelalter und eben auch die amerikanische Geschichte.
Authentizität ist wichtig
Möglichst authentisch soll auch das «Old West Unterkulm» daherkommen, erklärt Herbert Leuenberg. «Wenn an einem der Gebäude Barber steht, dann ist auch ein Barber drin. Wir wollen eine Westernstadt aufbauen, die lebt.»
Bis hin zum Essen achte man darauf, dass es möglichst echt zugeht in der unechten Westernstadt. Wegen der vielen chinesischen Einwanderer ab Mitte des 19. Jahrhunderts und der engen Verflechtung mit Mexico – Arizona, Kalifornien, Nevada, Utah, Teile von Colorado, New Mexico und Wyoming gehörten früher zu Mexiko – werde es auch chinesisches und mexikanisches Essen beim «Old West» geben, so Leuenberg.
Linedance ist ein fester Bestandteil des «Old West Unterkulm».
Bild: Sibylle Haltiner
Einiges ist neu beim diesjährigen «Old West Unterkulm». Das fängt beim Veranstaltungsort an. «Das Gelände beim Schwimmbad, das wir bisher nutzen, mussten wir aufgeben.» Was ein richtiger Cowboy ist, der lässt sich davon nicht aufhalten. Für die 44 Mitglieder des Vereins – aktive und passive – begann die Suche nach einem neuen Standort für ihre Stadt «Silver Creek».
Auf dem Wannenhof wurden sie fündig, ein Landwirt stellt dem Verein ein Gelände zur Verfügung. Etwas grösser als das alte, aber deswegen wird das Fest nicht grösser. «Wir wollen gar nicht wachsen», erläutert Leuenberg. Der Aufwand für Aufbau, Durchführung und Abbau sei so schon gross genug. Etwa 200 Helfer seien bei dem Fest insgesamt im Einsatz.
Zum ersten und vermutlich auch zum letzten Mal
Neu – und vermutlich auch einmalig – ist auch, dass das Fest an vier statt wie bislang an drei Tagen stattfinden wird. Start ist nämlich schon am Mittwoch. «Das ist der Mittwoch vor Auffahrt», erklärt Leuenberg. Donnerstag ist demnach Feiertag, am Freitag machen viele Arbeitnehmer Brückentag – da habe es sich angeboten, das Fest von Mittwoch bis Samstag zu veranstalten. «In diesem Jahr liegt Auffahrt so, dass sich das angeboten hat, das ist aber nicht in jedem Jahr so.
So kann es auch sein, dass heuer mehr Besucher nach «Old West» pilgern als sonst. Zum einen, weil das Fest einen Tag länger dauert, zum anderen, weil an Auffahrt viele Vereine bei einer Wanderung unterwegs seien, so Leuenberg. Vielleicht komme die ein oder andere Gruppe ja vorbei.
Für alle Gäste, die mit dem ÖV statt mit dem Auto kommen möchten – etwa 250 Parkplätze werden auf dem Wannenhof zur Verfügung stehen –, bietet der Verein ab dem Bahnhof Unterkulm Nord einen Shuttleservice an. Mit Kleinbussen werde man die Gäste zum Festgelände chauffieren und wieder zurück.
Linedance zum Mitmachen
Leuenberg hofft auf schönes Wetter. «Beim ‹Old West› vier und fünf hatten wir ganz mieses Wetter, keine Besucher und ein Minus in der Kasse», erinnert sich der Vereinspräsident. Damals habe die Veranstaltung kurz vor dem Aus gestanden. Der Verein habe sich aber doch entschieden, weiterzumachen.
In diesem Jahr wird es neben jeder Menge Musik unter anderem auch zwei Sattler bei der Arbeit, einen Gottesdienst mit Musik und Linedance zu sehen geben. Dazu auch Line Dane Workshops zum Mitmachen. «Yee-haw».



